Feuilleton.
Feuilleton ist ein unabhängiges Fachmagazin für Weimarer Kulturkritik, Filmtheorie und Massenkultur-Soziologie in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir publizieren monatlich zu sechs Ressorts: Feuilletonistik, Film, Soziologie, Weimar, Theorie und Markt.
Der Name
„Feuilleton" — französisch-deutscher Klassik-Begriff aus dem Pariser Journal des débats von 1800, ursprünglich für das untere Drittel der Zeitungs-Vorderseite „unter dem Strich". Im deutschsprachigen Raum etabliert sich der Begriff im frühen 19. Jahrhundert, ab den 1840ern als fester Klassik-Teil der Zeitungs-Architektur — Heinrich Heine als zentrale Klein-Frankreich-Korrespondenz für die Augsburger Allgemeine Zeitung 1840–1843, Theodor Fontane als Klein-Berlin-Korrespondenz für die Vossische Zeitung in den 1870er–1880er Jahren. In der Weimarer Republik wird das Feuilleton zur intellektuell-kritischen Bühne der bürgerlichen Öffentlichkeit: Frankfurter Zeitung 1856–1943 unter Benno Reifenberg 1924–1930 und Friedrich T. Gubler 1930–1933, Berliner Tageblatt 1872–1939 unter Theodor Wolff, Vossische Zeitung 1721–1934 als älteste Berliner Klassik. In der Bundesrepublik wird die FAZ seit 1949 mit dem charakteristischen Feuilleton-Strich zum Klein-Welt-Klassen-Welle-Standard.
Wir verwenden den Begriff als Brand-Klammer, weil er die Sache selbst meint — nicht einen einzelnen Autor, nicht eine einzelne Schule, nicht eine einzelne Zeitung. Feuilleton ist der Klein-Ort, an dem Kulturkritik, Filmtheorie und Soziologie der Massenkultur seit zwei Jahrhunderten ihren öffentlichen Diskurs finden.
Was wir tun
Wir berichten über die Klassik des deutschen Feuilletons zwischen Heinrich Heine (1840–1843), Theodor Fontane, der Frankfurter Zeitung 1856–1943 (mit ihrem Klein-Welt-Klassen-Feuilleton der Weimarer Welt) und der zeitgenössischen DACH-Welt von FAZ, SZ, Die Zeit und NZZ; über die Filmtheorie zwischen Béla Balázs „Der sichtbare Mensch" 1924 (ungarisch-deutsche Stummfilm-Theorie), Sergei Eisenstein „Battleship Potemkin" 1925 (sowjetische Montagetheorie), Walter Benjamin „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit" 1936 (Aura, Massenkultur), der „Caligari"-Studie 1947 (psychologische Geschichte des deutschen Films mit der Tyrannen-/Untertan-These) und der „Theory of Film" 1960 (Errettung der äußeren Wirklichkeit); über die Soziologie der Massenkultur zwischen „Das Ornament der Masse" 1927 (Tiller Girls, Sport-Stadion), „Die Angestellten" 1930 (Berliner Großstadt-Soziologie der „Obdachlosigkeit im Geistigen"), Horkheimer „Traditionelle und kritische Theorie" 1937, Adorno/Horkheimer „Dialektik der Aufklärung" 1947 mit dem Kapitel „Kulturindustrie. Aufklärung als Massenbetrug", Habermas „Strukturwandel der Öffentlichkeit" 1962 und der zeitgenössischen Plattform-/Aufmerksamkeits-Ökonomie-Klassik nach Yves Citton 2014; über die Weimarer Welt 1918–1933 zwischen Bauhaus (Weimar 1919–1925, Dessau 1925–1932, Berlin 1932–1933 unter Gropius/Meyer/Mies van der Rohe), Neue Sachlichkeit seit 1925 (Otto Dix, George Grosz, Max Beckmann), Berliner Cabaret-Klassik (Friedrich Hollaender, Marlene Dietrich, Kurt Tucholsky), dem Romanischen Café 1916–1933 als intellektueller Treffpunkt der Charlottenburger Welt und der Bücherverbrennung 10. Mai 1933 in 22 deutschen Universitätsstädten; über die kritische Theorie zwischen erstem Frankfurter-Schule-Kreis (Walter Benjamin 1892–1940, Adorno 1903–1969, Horkheimer 1895–1973, Ernst Bloch 1885–1977), zweiter Generation (Habermas), dritter (Honneth „Kampf um Anerkennung" 1992) und vierter (Rahel Jaeggi „Entfremdung" 2005); und über den DACH-Markt mit ca. 320 Tageszeitungen mit eigenständigem Feuilleton, ca. 1,2 Mio Feuilleton-Leser:innen Stand 2026, den zentralen Archiven (DLA Marbach seit 1955, Walter-Benjamin-Archiv und Theodor-W.-Adorno-Archiv an der Akademie der Künste Berlin), den Film-Institutionen (DFF Frankfurt seit 1949, Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung Wiesbaden seit 1966, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, HFF München, Wiener Filmakademie) und der DACH-Literatur-Welt mit dem Bachmann-Preis seit 1977 in Klagenfurt.
Was wir nicht tun
Feuilleton ist keine Verlags-Werbe-Plattform, kein Archiv-Vermittler und keine Marketing-Klassik. Wir veröffentlichen keine Verlags-PR, keine Förder-Listings und keine Affiliate-Welle. Die Redaktion ist nicht an Provisionen, Vermittlungs-Erlösen oder Sponsored-Schaltungen beteiligt. Bei der Berichterstattung über Marktteilnehmer (DLA Marbach, DFF, Murnau-Stiftung, Universitäten, Verlage) bemühen wir uns um die journalistische Trennlinie zwischen Bericht und Werbung. Die Werke der besprochenen Autor:innen zitieren wir im Rahmen des Zitatrechts (§ 51 UrhG). Persönlichkeitsrechte und postmortale Würde der besprochenen Personen werden geachtet — insbesondere bei der Behandlung jüdischer Verfolgter der NS-Zeit halten wir die historische Sorgfalt nach den Empfehlungen des Bundesverbands deutscher Historiker:innen.
Hinweis zur Domain-Geschichte
Die Domain kracauer-initiative.de wurde nach einem Inhaberwechsel neu projektiert. Sie diente ursprünglich einer Berliner Bürgerinitiative aus dem Jahr 2009, die sich um die lokale Ehrung Siegfried Kracauers (Ehrentafel in Charlottenburg, Umbenennung Holtzendorffplatz) bemühte. Die neue Publikation ist keine Folge-Organisation dieser Initiative, übernimmt deren Forderungen nicht und ist keine Memorialstätte. Sie ist ein eigenständiges DACH-Branchen-Magazin für Weimarer Kulturkritik, Filmtheorie und Massenkultur-Soziologie — Themen, auf denen Kracauers Werk neben anderem ruht, ohne dass dieses Magazin auf seine Person zugeschnitten wäre. Der Nachlass Siegfried Kracauers wird seit 1971 vom Deutschen Literaturarchiv Marbach verwaltet; Werk-Rezeption erfolgt in unseren Beiträgen nach § 51 UrhG.
Mitarbeit
Wir freuen uns über Gastbeiträge aus DLA Marbach, Walter-Benjamin-Archiv und Theodor-W.-Adorno-Archiv (Akademie der Künste Berlin), DFF Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Frankfurt, Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung Wiesbaden, Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF, HFF München, Wiener Filmakademie, Universitäten der Kulturwissenschaft und Filmwissenschaft sowie aus der DACH-Soziologie der Massenkultur. Kontakt: [email protected].